ERWIN SCHWENTNER

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PRESSE: Flaminio Gualdoni

Rezension der Ausstellung im Österreichischen Kulturforum in Mailand, erschienen im "Corriere della Sera" vom 31. 10. 2001
SKULPTUR IN MAILAND:
30 Keramiken von Erwin Schwentner im Österreichischen Kulturforum.
Mit einem Lachen wird er sie begraben.


Österreicher aus Graz, geboren 1945, ist Erwin Schwentner in einem seiner beiden Leben der strenge Richter, im anderen ironischer Barde einer grotesken, surrealen Menschlichkeit, die von einem subtilen Wahnsinn durchzogen ist.
Das alles erzählen die ca. 30 kleinen Skulpturen aus farbiger Keramik, welche in einem Geist, der Hogarths und Daumiers würdig ist, die "wichtigsten menschlichen Eigenschaften" beschreiben und kommentieren.
Da ist einmal die "Frömmigkeit", ein Prälatengesicht, weich bis zur Deformierung. Hier ein Gesicht ohne Körper, welches von einem langen grünen Band getragen wird: mit dem Titel "Krawatte, die Stütze des Mannes und damit der Gesellschaft". Da ein kleines, schmächtiges Männlein, in seinem Rücken über-ragt von einem Mann-Weib mit gewaltigen, irgendwie sadistisch wirkenden Formen: "Hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine starke Frau".
Und auf diese Art geht es weiter, eine unerschöpfliche menschliche Komödie, die Gemeinplätze und falsche Gewissheiten in Reih und Glied stellt und damit in einen vergnügten Tanz verwandelt. Schwentner ist grausam und gutmütig zugleich.

Grausam, weil sein Skalpell tief in die Schichten der Stereotypen einschneidet; gutmütig, weil, wenn das Skalpell bis zum lebenden Fleisch vorgedrungen ist, der tödliche Streich ausbleibt - eben das, was einem Grosz gefallen hätte.

Schwentner berührt eher die humorige, paradoxe Seite, die Verzerrung, die viel eher als die Gewalt Korrosion bewirkt. Wie sagte man seinerzeit: "Ein Lachen wird sie begraben". Und genau das gebührt dieser traurigen Menschheit.

(Flaminio Gualdoni - Arbeitsübersetzung des Österreichischen Kulturforums Mailand)