ERWIN SCHWENTNER

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PRESSE: Gerhard POLT, Kabarettist und Literat – Eröffnung der Ausstellung

An der Sonnenbrille erkennt man den Menschen“ und andere plastische Erkenntnisse

von Erwin Schwentner

am 15.10.2014 in München, Gallery Rizzo


Bisweilen bedarf es einer Sonnenbrille, um die Bedeutungslosigkeit einer Person hervorzuheben. Gewisse Accessoires geben eben vielen Menschen die einmalige Chance, aus der Bedeutungslosigkeit direkt in die Lächerlichkeit zu gleiten und damit angeblich überhaupt erst ins Dasein und somit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Was wäre ein Warzenschwein ohne Warzen. Diese finden ja auch erst am Schwein ihre wahre Identität. Ein armes, durch und durch anonymes Schwein, wenn es keine Warzen hat.

Die Sonnenbrillenspezies wirkt Epoche machend, und wo sie ursprünglich angesiedelt war, bleibt vage. Könnte es nicht sein, dass sie der Zeitmaschine von Herrn Wells entstammt, als Derivat der Morlocks, die unterhalb der Wurzelgeflechte existieren und jetzt im blendenden Licht ein rinascimento erleben.

Nicht Venus, nicht Adonis, nicht das geringste Ebenmaß umschmeichelt unsere ästhetischen Grundvorstellungen. Nein, der Erwin führt uns in eine Welt, wie sie konkreter nicht sein kann. Seine Geschöpfe bevölkern die U-Bahnen, die Städtischen Badeanstalten, die Kaufhäuser, die öffentlichen Ämter und Plätze. Als Immobilienhändler belauern sie uns, ihre potentiellen Opfer, -Nebuchantenwindbeuteln unter uns-, blaade Gschwoischedl, denen die miesen Witze aus allen Poren quellen. Als typische Mitmenschen tönen sie, als wolle man einen abgesoffenen Motor wieder in Gang bringen. Sie riechen nach Schweiß und bespucken sich mit Spray aus Blechdosen. Pfft, pfft,- biologisch, chemisch auch, eben schwentnerisch. Sie erscheinen sowohl in bezaubernder Schiachheit, wie auch nie erwarteter Anmut, breughelhaft, zeitlos!

Da mögen die Hochglanzzeitschriften unseren Stutzern, Schönlingen und Wegwerfbarbies noch so sehr empfehlen, sich durch Visagisten und Schönheitschirurgen selbst zu verwirklichen, aber wir wissen´s doch besser: Der Glöckner von Notre Dame war zwar nicht glücklich, aber ein Mensch!

Es lebe der Defekt, das unvollendet Vollendete!

Und wenn dieser Sokrates recht hat mit seinem: Erkenne dich selbst, dann wünsche ich mir in UBahnen, Badeanstalaten, Kaufhäusern, Ämtern und auf allen öffentlichen Plätzen Statuen von Erwin Schwentner, dem großen Menschenkenner.